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8 von 10 Bewerbern suchen online nach einem neuen Job

Social Recruiting. Ihr Employer Brand muss auch im Internet glänzen. Wir haben bei Experis nachgefragt!

Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel fordern Organisationen, insbesondere das Personalmanagement, zu Höchstleistungen heraus. Der Personalmanager von einst beschäftigt sich längst mit dem Online-Marketing-Portfolio, um Social Media auch im Recruiting optimal einzusetzen.

Ehemals getrennte Aufgabenbereiche von Unternehmenskommunikation und HR vermischen sich, Mitarbeiter berichten auf Bewertungsportalen und via Social Media über Erlebnisse mit Arbeitgebern und fordern auf allen Ebenen einen offenen Dialog ein. Was zählt, ist ein einheitliches Erscheinungsbild, eine abgestimmte Social-Media-Strategie und vor allem ein authentischer Marken-Auftritt. Wer im Active Sourcing bestehen will, kommt an Social Media längst nicht mehr vorbei. Doch wo beginnt der soziale Markenauftritt und welche Kompetenzen sind dafür notwendig? Darüber haben wir uns mit Experis-Executive–Search-Expertin, MMag. Leora Leksani, MA, und Online Marketing und Employer Branding Expertin, Mag. Andrea Starzer, MBA, unterhalten.

Employer Brand

Experis: Wie hat Social Media das HR-Recruiting in den letzten Jahren verändert?

Leora Leksani: Um den Einfluss von Social Media auf den HR-Bereich zu definieren, sollte der Mitarbeiter-Lebenszyklus näher angeschaut werden. Dabei sind folgende sechs Phasen zu berücksichtigen:

1. Employer-Branding-Phase

In dieser Phase dient Social Media als ein optimales Instrument, um die unterschiedlichen Zielgruppen zu erreichen bzw. das Interesse bei diesen Zielgruppen für das Unternehmen zu erhöhen. Inhalte über die Unternehmenskultur, den Karriereprozess oder auch Karrierepfade sind dabei unerlässlich. Des Weiteren sollte auch auf die Authentizität der veröffentlichten Inhalte geachtet werden. Andernfalls kann es rasch zu einer Imageschädigung des Unternehmens kommen. Auch wir von Experis gehen diesen Weg und vermitteln via Social Media und Blog-Beiträgen, um unseren Bewerbern optimalen Überblick über unsere Leistungen und unsere aktuellen Jobs bei Experis zu geben.

Darüber hinaus sollte das Unternehmen die Interaktion über Social–Media-Plattformen mit externen Zielgruppen als Chance betrachten, um das Employer Branding kontinuierlich zu optimieren.

2. Recruiting-Phase

Die internationalen Trends zeigen, dass Recruiting über Social-Media-Plattformen zunehmend an Relevanz gewinnt. Die wichtigsten Vorteile des Recruitings über Social Media im Vergleich zu den klassischen Methoden bestehen in der größeren Reichweite von unterschiedlichen Kandidaten-Zielgruppen sowie der Kosten- und Zeiteffizienz. Teilweise kann so die Qualität der Kandidaten gesteigert und diese durch eine gezielte Auswahl von Social-Media-Netzwerken angesprochen werden. Die stärksten Social-Media-Plattformen, die für Recruitingzwecke im DACH-Raum verwendet werden, sind XING, YouTube, Facebook sowie LinkedIn.

3. Onboarding–Phase

Beim Onboarding spielen Wikis und Experten-Foren eine wichtige Rolle. Wikis ermöglichen die Bildung und die Aktualisierung von unternehmensinternem Wissen. Experten-Foren dienen zum Austausch von Wissen und Informationen zwischen neuen und älteren Mitarbeitern. In dieser Hinsicht sind beispielsweise auch die Google+ Gruppen ein optimales Tool.

4. Entwicklungsphase

Für die Weiterentwicklung der Mitarbeiter können virtuelle Lernkurse mit Interaktionsmöglichkeiten beispielsweise zwischen Mitarbeitern und Führungskräften eingesetzt werden.

5. Bindungsphase

In dieser Phase spielen auch die Anerkennung und Motivation der Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Social-Media-Netzwerke können in dieser Hinsicht von Relevanz werden, indem die Führungskräfte die internen Plattformen nutzen, um ihren Mitarbeitern in den jeweiligen Teams bzw. im ganzen Unternehmen Wertschätzung zu zeigen bzw. Anerkennung zu vermitteln. 

6. Trennungsphase

In der Trennungsphase stellt die Bildung von ‚Alumni Communities‘ über soziale Netzwerke eine optimale Lösung dar, um die Trennungskultur des Unternehmens zu optimieren und somit auch ein breites Netzwerk an potenziellen und künftigen Geschäftspartnern bzw. Kandidaten aufzubauen.

Experis: Was sind die aktuellen Trends im Recruiting-Bereich?

Leora: Mobile Recruiting: Neben Social Media gibt es weitere interessante Trends im HR-Bereich. Ich möchte ein paar hier hervorheben: Erstens gibt es das Mobile Recruiting. 87 Prozent der aktiven Internet-User in Österreich nutzen mobile Geräte. Daher ist es für die HR-Verantwortlichen von Wichtigkeit geworden, dass bei den Mobile Apps oder Unternehmenswebsites (insbesondere in der Karriere-Rubrik) auf Übersichtlichkeit, Benutzerfreundlichkeit und qualitativen Informationsgehalt geachtet wird.

Recruiting in Zeiten von Social Media: Neue Kanäle und lebendige Unternehmenskulturen

Experis-Executive–Search-Expertin Leora Leksani

Virtual-Reality-Videos: Ein weiterer Trend sind Virtual-Reality-Videos. Das ist ein gängiger Trend in den USA, der noch kaum in Europa bzw. Österreich angekommen ist. Im Recruiting kann man z. B. virtuelle Rundgänge durch das Büro machen oder sich den Produktionsstandort anschauen. Bestimmte Berufsbilder im Unternehmen können näher dargestellt werden oder natürlich auch Remote Interviews durchgeführt werden. Des Öfteren sind HR-Mitarbeiter überlastet. Um die Auslastung zu reduzieren, werden in der Onboarding-Phase Videos verwendet, über die der Kandidat die wichtigsten Infos über die Einführung in das Unternehmen erhält. Jedoch stellt meiner Meinung nach ein Live-Kontakt zum neuen Mitarbeiter in dieser Phase die bessere und effizientere Option dar.

Trainings können genauso über Virtual-Reality-Videos gemacht werden. Reale Situationen aus dem Arbeitsalltag werden herangezogen wie beispielsweise eine Simulation von Sales-Gesprächen zwischen Mitarbeiter und Kunden. Assessments: Wir kennen es, wenn es um Senior-Positionen geht, dass mehrere Manager aus unterschiedlichen Standorten für das Interview involviert werden. Somit stellt diese Methodik einen effizienteren Weg dar, um die Geschwindigkeit des Recruiting-Prozesses zu erhöhen.

Ein weiterer Trend ist Gamification. Im Recruiting-Prozess kann zum Beispiel ein Quiz zum Einsatz kommen. Das Ganze wird dann spielerischer und interessanter für den Kandidaten und macht den Prozess lebendiger. So kann sich das Unternehmen erstens von der Konkurrenz abheben und gleichzeitig die Eignung und das kreative Denken des Kandidaten prüfen.

Der letzte Trend: Die Digital Natives. Die Generation Z, die Ende der 90er geboren ist, wird sehr bald eine wichtige Rolle spielen. Die HR muss sich die Eigenschaften dieser Generation genauer anschauen. Diese Generation verbringt 41 Prozent ihrer Freizeit online, Tendenz steigend. Sie hat eine hohe Affinität zu High-Tech-Geräten und erwartet diese auch am Arbeitsmarkt. Diese Generation sucht nicht nach Mentoren, sondern ist sehr selbstständig unterwegs und deshalb sollten auch Freiräume im Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Sie weisen auch eine höhere Wechselwilligkeit auf. Das heißt, die Unternehmen sollten sich sehr bemühen, diese Generation Z im Unternehmen zu behalten. Man sollte auf die vorher erwähnten Punkte achten und vor allem authentisch bleiben.

Experis: Welche Chancen bietet Social Media für den HR-Bereich?

Andrea Starzer: Social Media ist im Personalmanagement-Umfeld bereits angekommen. Wichtiger Tipp: Legen Sie alle sozialen Kanäle an, um Ihre Vanity-URL zu sichern und treffen sie in weiterer Folge die Entscheidung, auf welchen Kanälen sie auch aktiv sein wollen/können. Denken Sie daran, den Leser mit unterschiedlichen Themen wie Bewerbungstipps und nicht nur mit offen Jobs zu „bespielen“. Bleiben sie authentisch und transportieren Sie Emotionalität und Vertrauen, schließlich geht es ja auch darum, dass Kandidaten die Entscheidung darüber treffen, ob sie sich bei Experis oder einem anderen Personalberater bewerben oder nicht. Bei Experis sehe ich zum Beispiel ein Potenzial bei Bewerbungstipps, die immer wieder auf die Website referenzieren und so auch den Traffic auf die Seite erhöhen. Welche sozialen Kanäle sie bedienen sollen, liegt letztlich auch daran, wo sich ihre Zielgruppe aufhält – dort müssen sie in jedem Fall präsent sein. Den Faktor Zeit dürfen sie dabei jedoch nicht unterschätzen. Viele Unternehmen starten in Social Media sehr enthusiastisch, nach 2 – 3 Monaten nimmt die Begeisterung ab, aber die Zielgruppe wäre noch da. Zu überlegen, wie man das überbrücken kann bzw. wie man mit Bewertungen und Kommentaren umgehen kann, sind die Herausforderungen. Es gibt auch sehr viele Bewertungsplattformen abseits von Kununu, die mit einer ersten Bewertung angelegt sind. Es ist immer wichtig, dass die Hoheit über einen sozialen Kanal beim Unternehmen ist und auch wertschätzender Umgang mit Kommentaren und Bewertungen erfolgt.

Online Marketing und Employer Branding Expertin Andrea Starzer

Wertschätzende Kommunikation und Traffic auf der eigenen Seite

Leora: Social-Media-Präsenz kann intern wie extern die Unternehmenskultur verstärken. Für Mitarbeiter und externe Stakeholder wird eine offene Kommunikation ermöglicht. Durch diese offene Kommunikation kann ein entsprechendes Feedback kommen und dadurch kann das Employer Branding optimiert werden. Bei Risiken wie „Shitstorms“ muss man intern im Unternehmen klare Richtlinien schaffen. Man muss mit negativen Kommentaren zeitgerecht und konstruktiv umgehen. Eine Nicht-Reaktion ist ein No-Go. Auf Kununu oder auf anderen Plattformen haben Unternehmen die Chance, die Interaktion mit externen Kandidaten zu fördern und sich als interessanter und attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Regelmäßige, relevante Inhalte sind dabei essentiell. Auch wir bei Experis sind beispielsweise auf Facebook vertreten.

Zum Thema Datenschutz: Öfters tendieren Recruiter dazu, auf privaten Profilen der Kandidaten etwas über sie in Erfahrung zu bringen. Es hängt natürlich von der Unternehmenskultur ab, aber es sollte darauf geachtet werden, dass diese Informationen, die man durch die privaten Social-Media-Kanäle erhält, die Objektivität des Recruiting-Prozesses nicht verletzten.

Bei der Jobsuche rücken Bewertungen mehr und mehr in den Vordergrund

Andrea: Bewertungen sind das Um und Auf – alles und jeder wird bewertet. Der Arbeitgeber – das Bewerbungsgespräch – die Lehrstelle. Bewerber geben heute in Suchmaschinen ein: „Meine Erfahrung mit dem Unternehmen XY…“ Das Ergebnis sind Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen, die Information oder sogar Trust vermitteln. Was man aus dem touristischen Umfeld bereits kennt und schätzt, setzt sich auch im Rahmen von Arbeitgeberbewertungen durch und entscheidet im Rahmen der Jobsuche dann darüber, ob eine Bewerbung erfolgt oder eben nicht. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der wertschätzende Umgang mit Bewertungen. Nehmen Sie positive wie negative Bewertungen ernst! In Zusammenhang mit Bewertungen aber ein kleiner Tipp: Zuerst kontrollieren, wie alt die Bewertung bereits ist! Schlafende Hunde sollte man nicht mehr wecken.  

So geht es weiter:

Im nächsten Teil unserer Social-Recruiting-Serie reden wir mit den beiden Expertinnen darüber, wie Experis Social Media im Bewerbermanagement einsetzt, wie Social Media das klassische Recruiting verändert und wer im Unternehmen dafür zuständig ist.

Ganz „social“ geht es hier zu den XING-Profilen der Expertinnen. 

» Leora Leksani

» Andrea Starzer