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Generation Y - „Lass uns Freunde bleiben“

Wie Social-Media-Recruiting und strategisches Trennungsmanagement Personaler und Führungskräfte aus der Komfortzone bringt

Beziehungen zu beenden ist nie leicht. Ob privat oder beruflich. Wie man sich trennt, sagt viel über die Beziehung aus. Die Generation Y fordert an allen Ecken und Enden mehr Authentizität und Beziehung und weniger Karriere-Show und autoritäre Strukturen. Um die gut ausgebildete Generation Y ins Unternehmen zu bekommen, braucht es authentische Dialog-Kommunikation, realistisches Erwartungsmanagement und strategische Trennungen. Anforderungen, die Personalmanagement und Führungskräfte aus der Komfortzone holen und dennoch große Chancen bieten. Darüber haben wir im dritten Teil unserer „Experis – Generation Y“ Serie mit Mag. Rosemarie Nowak gesprochen.

Experis Experteninterview mit Rosemarie Nowak

Experis:
Oft herrscht Verunsicherung unter Personalern. Beim Chemiekonzern BASF entsteht gerade ein eigenes Zentrum für Work-Life-Management, in dem es Kinderbetreuung, Yoga-Kurse und Sozialberatung geben wird. Konzerne wie Daimler, Siemens oder KPMG spendieren Sprachkurse, veranstalten Bewerbermessen im Internet und verbessern ihre Arbeitszeitmodelle. Was kommt denn wirklich auf Personaler zu und wo können sie beginnen?

Rosemarie Nowak:
Ich kann hierzu sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Die Generation Y ist sehr reflektiert und weiß sehr wohl, dass man bei KMUs ein entsprechendes Setting hat. Von Großkonzernen verlangen sie aber schon die ganze Palette. Vom Sportangebot und Sprachkursen bis zu Möglichkeiten, in anderen Ländern zu arbeiten. Es kommt also sehr wohl darauf an, wie groß das Unternehmen ist und welche Möglichkeiten die Organisation hat, mich als Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter zu halten und zu fördern. Die Personaler sind gefordert, mit den Entscheidungsträgern zu diskutieren und neue Wege anzudenken. Nach wie vor ist das schlagende Kriterium „People join companies and leave bosses“. Wenn die Führungskraft nicht passt, ist Hopfen und Malz verloren. Wenn die Führungskraft passt und alles andere ist nicht entsprechend, dann kann diese Beziehung zur Führungskraft auch alles andere schlagen.

Das schlagende Kriterium „People join companies and leave bosses“

Experis:
Die Generation Y fordert also auch die Führungskräfte heraus?

Rosemarie Nowak:
Den „Right Fit“ für die entsprechende Position zu finden, funktioniert mit einer klaren Strategie. Wenn man die Hasenstrategie fährt, mal in diese Richtung, mal in diese, das verwirrt alle nur. Das Trennungsmanagement ist dabei ein wesentlicher Faktor. Die Vorgenerationen haben gesagt, schau nicht zurück – „dont look back in anger“. Die Generation Y macht viel mehr Beziehungsmanagement und kommt auch durchaus zu einer Organisation zurück. So hartnäckig andere Generationen in der Zusammenarbeit mit Chefs waren, mit denen die Chemie vielleicht nicht so gestimmt hat, die Generation Y ist hier anders. Die suchen schneller ein Setting, wo sie sich wohlfühlen. Ein gutes Trennungsmanagement ist in der Regel wirklich eine neue Aufgabe für das Personalmanagement, die bisher nicht durchgeführt wurde. Das Personalmanagement muss sich jetzt darauf einstellen, Feedback zu erhalten. Viele Personaler sind das nicht gewohnt, dass ihnen Leute, wenn sie weggehen, ihre Meinung sagen. Dieses Feedback ist aber auch eine Chance zu erfahren, warum die Leute gehen, was falsch gelaufen ist, und somit auch entsprechende Änderungen vornehmen zu können.

Ein gutes Trennungsgespräch kann externe Faktoren verhindern

Experis:
Wie funktioniert Trennungsmanagement?

Rosemarie Nowak:
Meine Empfehlung ist auf jeden Fall, mit den Personen Gespräche zu führen. Diese Gespräche sollte aber nicht nur die Führungskraft führen, der die Person unmittelbar zugeordnet war, sondern auch das Personalmanagement. Bis jetzt war es bei Trennungen üblich zu sagen: „Ja gut, so und soviel Urlaub ist noch offen und auf Wiedersehen.“ Es gab da bisher kaum qualitativen Austausch. Ich empfehle hier einen Leitfaden zu machen, ähnlich wie beim Mitarbeitergespräch, wo verschiedene Punkte aufgenommen werden: Was hat Ihnen gefallen? Was würden Sie ändern? Was würden Sie beibehalten? Was sind Ihre Ziele? Vor allem aber auch: Unter welchen Umständen würden Sie wieder für uns arbeiten? So ein Leitfaden kann durchaus in einer Gruppe entwickelt werden. Ein gutes Trennungsgespräch kann viele externe Faktoren verhindern. Viele Menschen haben das Bedürfnis, Emotionen loszuwerden. Es bedarf einer gewissen inneren Haltung, auch die Rolle des „bad guys“ auszuhalten.

Printanzeigen sind out. Die Generation Y muss mit allen Sinnen angesprochen werden

Generation Y und Social Media

Experis:
Wie sieht Recruiting für die Generation Y in der Praxis aus? Social Media, Authentizität?

Rosemarie Nowak:
Social Media stellt Personaler vor große Herausforderungen. Es gibt sehr viele Plattformen, auf denen Leute gesucht werden. Das Schönste ist natürlich, wenn die Reputation so hoch ist, dass man Blindbewerbungen bekommt. Wenn das jedoch nicht der Fall ist, ist die große Herausforderung für die Organisation, sich zu differenzieren. Print ist ja total out, Statistik Austria sagt 99,9 Prozent der Personen haben einen Zugang zu World Wide Web und so gut wie alle, nämlich 98,8 Prozent verwenden Mobile Devices. Nur eine Anzeige wie früher im Print zu schalten, ist extrem langweilig. Videos sind hier ein gutes Mittel, wo man gleich den Chef, den Arbeitsplatz und die Kollegen und Kolleginnen sieht und kennenlernt. Man muss sich hier einfach an die zeitgemäßen Kulturen anpassen. Durch den visuellen Eindruck habe ich einfach mehr Info. Es geht darum, mehrere Sinne anzusprechen. Es muss die Möglichkeit geben, sich schnell unkompliziert zu bewerben und man sollte schnell antworten. Das Schlimmste ist, sich gar nicht zu melden oder erst in zwei Monaten. Das Personalmanagement hat hier ein eigenes Image und dieses muss gepflegt und strategisch geplant werden.  

Experis:
Welche Learnings bzw. Tipps haben Sie für HR-Abteilungen auf Basis Ihrer wissenschaftlichen Forschungen?

Rosemarie Nowak:  
Die Tipps sind, auf die Bedürfnisse der Generation Y einzugehen. Wenn wir uns das Sinus-Milieu ansehen, gibt es ja die wissenschaftliche Überlegung, dass von dieser Generation nur 25 Prozent als Generation Y klassifiziert werden können. Die eine gute Ausbildung haben, die einen Wohlstandshintergrund haben und sich aussuchen können, wo sie hingehen. Die restlichen 75 Prozent, die eben einen niedrigeren Ausbildungsgrad haben, sind am Arbeitsmarkt doch sehr verbreitet und laufen eher Gefahr, dass sie durch die Industrie 4.0 ersetzt werden. Für die Personen, die auch Experis vermittelt, die meist eine sehr gute Ausbildung haben, geht es vor allem darum, richtig in die Tiefe zu gehen, sodass ein „Right Fit“ entsteht. Jemand aus der Generation Y will hineinpassen und schon den nächsten Schritt am Horizont sehen. Darüber hinaus gilt es darauf zu achten, wie die Person zur Unternehmenskultur passt. Das persönliche Mindset sollte auch zur Organisation passen. Wenn ich jemand für die IT suche, brauche ich jemanden, der sich auch privat für IT interessiert. Die Mindsets müssen sich einfach überschneiden.

Die Generation Y muss aufpassen, dass sie von der Generation Z nicht überholt wird

Experis:
Jetzt haben wir viel über die Generation Y gesprochen. Müssen wir nicht schon längst über die Next Generation nachdenken?

Rosemarie Nowak:
Die Generation Z oder auch R wie Relaxed unterscheidet sich klarerweise wieder stark von der Generation Y. Jede neue Generation muss sich von der vorigen abgrenzen und den eigenen Idealismus ausbilden. Diese Generation hat andere Eigenschaften und häufig sind diese dann konträr. Die Generation Z ist entspannt, während die Generation Y ja immer im Stress ist. Die sind mit dem Wahnsinn groß geworden. Die sind die echten Digital Natives, die sind over-newsed und under-informed. Die wollen wieder Karriere machen, es geht ihnen wieder um eines: um Status. Sie wollen Statussymbole und aus der Masse herausstechen. Sie sind auch wieder angepasster und flexibler. So wie sich jetzt die Generation X und die Babyboomer mit der Generation Y schwertun, so wird es dann der Generation Y mit der Generation Z gehen. Hier muss dann die Generation Y aufpassen, dass sie nicht von der Generation Z überholt wird. Auch aufgrund der Parameter, die in der Wirtschaft herrschen.

Zur Person: 

Mag. Rosemarie Nowak (50) ist Lehrgangsleiterin an der Donau Universität Krems am Zentrum für Journalismus und Kommunikationsmanagement. Sie ist Vortragende an ihrer Universität und anderen Bildungseinrichtungen sowie Herausgeberin von themenspezifischen Sammelbänden und Autorin zahlreicher Fachartikel. In ihre Tätigkeit fließt neben der wissenschaftlichen Kompetenz ihre jahrelange Berufserfahrung in der Wirtschaft ein.