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Generation Y – die sorglose Generation

Eine Interviewserie über eine viel diskutierte Generation

Gesellschaftliche Entwicklungen und ein bevorzugter Erziehungsstil bringen in jeder Generation eine gewisse Grundstimmung hervor. Die Generation Y fühlt sich besonders und hat selten Lust auf 60-Stunden-Wochen, dicke Autos und Eigenheim. Als Mittelpunkt im Leben ihrer Eltern wurden sie in die meisten Entscheidungen eingebunden, sind es gewohnt, eine Stimme zu haben und wurden mit viel Liebe und Aufmerksamkeit genährt. Personaler und Unternehmen sehen sich vor großen Herausforderungen, denn Karriere und Geld sind nicht mehr alles, es geht um Lebenssinn, Dialog und Work-Life Balance. Mit Mag. Rosemarie Nowak, Lehrgangleiterin an der Donau-Universität Krems, haben wir über die Talents von morgen und die Relaxten von übermorgen gesprochen. In der Experis-Generation-Y-Interviewserie widmen wir uns den Werten, den Herausforderungen und den Chancen einer Generation, die den Sinn des Lebens auf ihre eigene Weise interpretiert.

Interview mit Rosemarie Nowak zum Thema Generation Y und Job

Experis:
Eine ganze Generation zwischen 18 und 34 Jahren stellt die Frage des „Warums“? Lebenseinstellungen und -werte werden hinterfragt und neu definiert. Welche Werte hat die Generation Y?

Rosemarie Nowak:
Die Generation Y ist quasi die erste Generation, die sich nicht gegen die eigenen Eltern auflehnen musste. Sie ist sehr behütet aufgewachsen. In Mitteleuropa ist sie ohne Krieg groß geworden. Die Eltern haben viel Energie und Aufmerksamkeit aufgewendet, ihre Kinder zu erziehen, auch wenn sie vielleicht nicht so viel Zeit hatten. Sie ist davon gekennzeichnet, dass die Eltern sie gefragt haben: Was willst du? Sie hat also sehr viel Selbstbestimmung mitbekommen. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist, dass diese Generation größtenteils ohne Geldsorgen aufgewachsen ist. Sie hat vielleicht nicht ganz reiche Eltern, die Grundbedürfnisse sind aber nie ein Thema gewesen. Sie ist es gewohnt, bei Familienentscheidungen miteinbezogen zu werden und eine Stimme zu haben. Das Recht, glücklich sein zu dürfen, ist ihrem Charakter immanent. Das bringen die Vertreter der Generation Y natürlich auch in die Arbeitswelt ein.  

Steckbrief zur Generation Y

Die Medientransparenz und der gläserne Mensch stellen die Generation Y vor unendlich viele Wahlmöglichkeiten

Experis:
Vor welchen Herausforderungen steht die Generation Y?

Rosemarie Nowak:
Die Generation Y hat die große Gnade, aber auch Herausforderung, selbstständige Entscheidungen treffen zu können. Wenn man die Generationen davor betrachtet, sieht man oft dasselbe Muster: Wenn der Vater Tischler war, ist der Sohn auch Tischler geworden. Ob das dem Spaß gemacht hat oder nicht, war Nebensache. Heute mit der Vielfalt an Wahlmöglichkeiten und mit der Ungebundenheit, nicht mehr an Traditionen festhalten zu müssen, erfolgt eine enorme Entscheidungsfreiheit. Auch die Medientransparenz trägt viel dazu bei. Früher war ja vieles gar nicht bekannt und viele Menschen lebten in einem sehr kleinen Horizont. Durch die heute geforderte Offenheit der Unternehmen und durch den „gläserneren Menschen“ ist es zu einer Transparenz gekommen, welche die Wahlmöglichkeiten enorm erhöht. Ich merke das bei unseren Studierenden an der Donau Uni, die in dieses Altersspektrum fallen, die sagen: „Ich möchte eine möglichst hohe Vielfalt haben, aber ich möchte geführt werden“. Für diese Generation ist es also unglaublich wichtig, zahlreiche Alternativen zu haben, aber auch eine Person des Vertrauens, die diese Wahlmöglichkeiten wieder einengt und auf die eigenen Bedürfnisse zuschneidet. Die jungen Menschen brauchen auf jeden Fall eine Person, bei der sie sich aufgehoben fühlen. 

Die Generation Y braucht eine Person des Vertrauens

Interview mit Rosemarie Nowak zum Thema Generation Y und Job

Experis:
Wer oder was könnte diese Generation unterstützen?  

Rosemarie:
Diese Generation ist eine der ersten, die sich nicht wild von den Eltern trennen muss. Die Generation Y muss nicht mehr rebellieren. Sie ist sehr umsichtig, und hat meist ein sehr gutes Verhältnis zu den Eltern. Die Generationen davor hatten häufig keine Wahlfreiheit, deshalb mussten sie sich befreien. Ein Mentoren-System würde sich hier besonders gut eignen.  

So geht es weiter:  
In der nächsten Woche reden wir mit der Expertin darüber, welchen Wertewandel die Generation in der Arbeitswelt einleitet und wie man als Personaler und HR-Verantwortlicher sinnvolle Strategien einleitet.

Zur Person:  
Mag. Rosemarie Nowak (50) ist Lehrgangsleiterin an der Donau Universität Krems am Zentrum für Journalismus und Kommunikationsmanagement. Sie ist Vortragende an ihrer Universität und anderen Bildungseinrichtungen sowie Herausgeberin von themenspezifischen Sammelbänden und Autorin zahlreicher Fachartikel. In ihre Tätigkeit fließt neben der wissenschaftlichen Kompetenz ihre jahrelange Berufserfahrung in der Wirtschaft ein.